Warum hat jeder Verfallstermin seine eigene IV?
Was beschreibt die Term Structure?
Die Term Structure beschreibt, wie sich die implizite Volatilität über die verschiedenen Verfallstermine hinweg verändert. Normalerweise liegt die IV längerer Laufzeiten höher als die kurzer. Vor Ereignissen kehrt sich das oft um, weil die nächstliegende Laufzeit die Erwartung trägt. Kalender- und Diagonalstrategien handeln genau diese Differenz.
Ruhige Märkte: Die Kurve steigt
Trägst du für jeden Verfallstermin die IV am Geld ab, entsteht die Term Structure. In ruhigen Phasen steigt sie meist leicht an. Der Grund: Nach einer ruhigen Strecke erwartet der Markt, dass die Schwankung wieder Richtung ihres längerfristigen Niveaus zurückkehrt, also tragen die späteren Laufzeiten etwas mehr IV. Viel ist das nicht, oft nur ein paar Punkte über mehrere Monate. Trotzdem ist genau diese Steigung der Hintergrund, vor dem Kalender- und Diagonal-Spreads bepreist werden, die eine Laufzeit kaufen und eine andere verkaufen.
Wenn die Kurve kippt
Zwei Situationen drehen das Bild um. Die erste ist ein fester Termin wie Quartalszahlen: Der erste Verfall danach muss die gesamte Unsicherheit auf wenigen Tagen unterbringen, und seine IV schießt weit über die der späteren Laufzeiten hinaus. Die zweite ist ein breiter Ausverkauf, bei dem gleich das ganze kurze Ende über die hinteren Monate klettert. In beiden Fällen fällt die Kurve von vorn nach hinten ab. Ist das Ereignis vorbei, sinkt die vordere IV in der Regel wieder, der bekannte Volatility Crush, und die Kurve normalisiert sich.
Die IV deines Verfalls zählt
Die eine IV, die viele Plattformen für eine Aktie anzeigen, ist meist ein Mischwert oder schlicht der Frontmonat, und von deiner Laufzeit kann sie um etliche Punkte abweichen. Lies deshalb die IV genau des Verfalls ab, den du handelst; ein Durchschnitt hilft dir dabei ebenso wenig wie automatisch der vorderste Monat. Mit ihr rechnest du auch die erwartete Bewegung bis zu deinem Verfall aus: Kurs mal IV mal Wurzel aus (Tage bis zum Verfall ÷ 365). Erst so passen Zahl und Zeitraum zusammen.
Der häufigste Denkfehler
Kippt die Kurve, scheinen die späteren Laufzeiten plötzlich billig. Meist liegt im Frontmonat aber nur ein Ereignis, das sich weiter hinten auf mehr Tage verteilt. Eine IV ohne die Tage dahinter sagt wenig, denn sie ist ein Jahreswert. Vergleichst du zwei davon ohne die Laufzeit, vergleichst du Äpfel mit Birnen: Die hohe Zahl vorn kann in Euro eine kleinere Bewegung beschreiben als die niedrigere weiter hinten.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.
Die Beispiel-Aktie steht vor einer Veröffentlichung bei 100 €. Für den Verfall in 7 Tagen preist der Markt eine angenommene IV von 45 % ein, für den in 35 Tagen 30 %. Rechnest du beide in Euro um, ergibt sich bis zum kurzen Verfall eine Bewegung um eine Standardabweichung von 100 × 0,45 × √(7/365) ≈ 6,23 €, bis zum längeren von 100 × 0,30 × √(35/365) ≈ 9,29 €.
Die höhere IV gehört also zur kleineren Bewegung, denn der vordere Verfall deckt nur ein Fünftel der Tage ab. Gebühren bleiben außen vor.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Long Call Calendar — Ist die kurze Laufzeit relativ zur langen teuer (Termstruktur in Backwardation)?
- Long Put Calendar — Was ist dein Plan, wenn das nahe Short Leg vorzeitig ausgeübt wird?
- Long Call Diagonal — Liegt der obere Strike oberhalb vom unteren Strike plus gezahltem Debit?
Rechner zum Begriff
Im Trading-Journal festhalten
Verwandte Begriffe
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Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.