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Glossar

Was ist implizite Volatilität?

Was sagt die IV über eine Option aus?

Die implizite Volatilität (IV) ist die im Optionspreis enthaltene Markterwartung künftiger Schwankungsintensität. Sie ist keine Vorhersage der tatsächlichen Richtung und kein feststehender Messwert. Steigt die IV, werden Optionen meist teurer; fällt sie, sinkt ihr Zeitwertanteil häufig. Der Effekt hängt vom jeweiligen Leg ab.

Wie die IV zustande kommt

Die implizite Volatilität wird nicht gemessen, sondern zurückgerechnet. Man nimmt den beobachteten Marktpreis einer Option, setzt ihn in ein Bewertungsmodell ein und löst nach der Volatilität auf, die genau diesen Preis erzeugt. Sie ist damit eine Eigenschaft des Preises, nicht des Basiswerts — jeder Strike und jede Laufzeit kann eine eigene IV tragen. Genau das beschreiben Volatility Skew und Term Structure.

Weil das Modell die Bewertung liefert, hängt die IV auch von dessen Annahmen ab. Unterschiedliche Modelle und unterschiedliche Zinsannahmen ergeben leicht abweichende Werte für dieselbe Option. Für den Vergleich innerhalb einer Plattform ist das unerheblich; für den Vergleich zwischen zwei Datenquellen ist es das nicht.

Was hohe und niedrige Werte bedeuten

Die IV wird als annualisierte Prozentzahl angegeben. 30 Prozent heißt: Das Modell rechnet auf Jahressicht mit einer Standardabweichung von rund 30 Prozent des Kurses. Für einen konkreten Verfall lässt sich daraus der Expected Move ableiten. Absolut betrachtet sagt die Zahl wenig — 30 Prozent sind für einen Versorger hoch und für einen Biotech-Wert niedrig. Deshalb ordnet der IV-Rank sie in ihre eigene Historie ein.

Vergleichbar wird die Zahl erst im Kontext: gegen die eigene Historie über den IV-Rank, gegen die tatsächlich gelaufene Bewegung über die historische Volatilität und gegen andere Laufzeiten über die Term Structure. Erst diese drei Vergleiche machen aus einem Prozentwert eine Aussage darüber, ob eine Option relativ teuer bepreist ist.

Der häufigste Denkfehler

Hohe IV sagt nichts darüber, ob der Kurs steigt oder fällt. Die IV kennt keine Richtung, sie bepreist Bewegung. Der zweite Fehler ist, hohe IV automatisch als günstige Verkaufsgelegenheit zu lesen: Sie ist oft hoch, weil ein Ereignis bevorsteht, das die Bewegung tatsächlich liefern kann. Die Prämie ist dann nicht zu teuer, sondern für ein reales Risiko bezahlt.

Strategien, in denen der Begriff zählt

  • Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?
  • Long Straddle — Muss die Bewegung größer sein als die vom Markt bereits eingepreiste?

Verwandte Begriffe

Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.

Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.