Was ist ein Volatility Crush?
Wie kann eine Option trotz großer Kursbewegung verlieren?
Ein Volatility Crush ist der abrupte Rückgang der impliziten Volatilität, nachdem ein erwartetes Ereignis eingetreten ist — typischerweise unmittelbar nach Quartalszahlen. Long-Vega-Positionen können dabei verlieren, obwohl sich der Kurs in die erwartete Richtung bewegt hat. Wer vorher kauft, bezahlt genau die Volatilität, die danach verschwindet.
Warum die IV nach dem Termin einbricht
Steht ein fester Termin an, etwa Quartalszahlen, preisen die Optionen der nächsten Laufzeit die Unsicherheit rund um die Veröffentlichung mit ein. Mit dem Ergebnis verschwindet diese Unsicherheit, und die implizite Volatilität fällt auf ihr übliches Niveau zurück — häufig schon in den ersten Minuten nach Handelsbeginn. Spätere Laufzeiten trifft das weniger, denn bei ihnen macht das Ereignis nur einen kleinen Teil der Restlaufzeit aus. Am heftigsten fällt der Crush deshalb bei kurz laufenden Optionen aus.
So schätzt du das Risiko vorher ein
Entscheidend ist, welche Bewegung die Optionen einpreisen und welche du selbst erwartest. Einen groben Anhaltspunkt für die eingepreiste Bewegung liefert der Preis des Straddles am Geld. Kaufst du vor dem Termin einen Straddle, muss die Aktie weiter laufen als dieser Betrag, nur damit du bei null herauskommst — der bezahlte Zeitwert ist danach größtenteils verschwunden. Eine Short-Vega-Position verdient am Rückgang der IV, trägt aber das volle Risiko, dass die Bewegung größer ausfällt als eingepreist.
Der häufigste Denkfehler
Ein Volatility Crush ist keine Fehlbewertung, die man nur noch abholen muss. Die IV ist vor dem Termin hoch, weil das Ereignis die Aktie tatsächlich stark bewegen kann. Wer dann als Stillhalter verkauft, übernimmt genau dieses Risiko zu einem bekannten Preis. Berechenbar wirkt der Crush nur im Nachhinein, wenn die Zahlen unspektakulär ausgefallen sind. Nach einer großen Überraschung verliert die Short-Seite deutlich mehr, als ihr der Rückgang der IV wieder einbringt.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.
Die Beispiel-Aktie notiert am Tag vor den Quartalszahlen bei 100 €. Der Straddle am Geld für die nächste Laufzeit kostet 8 € je Aktie, also 800 € pro Kontrakt. Der Markt preist damit eine Bewegung von etwa 8 € ein.
Am nächsten Morgen eröffnet die Aktie bei 105 €, und die implizite Volatilität bricht ein. Der Call ist nun 5,40 € wert, der Put 0,30 €, zusammen 5,70 €. Obwohl sich die Aktie um 5 € bewegt hat, hat der Straddle (8 − 5,70) × 100 = 230 € verloren. Erst eine Bewegung von mehr als rund 8 € hätte die Kosten wieder hereingeholt. Gebühren sind nicht berücksichtigt.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Long Straddle — Muss die Bewegung größer sein als die vom Markt bereits eingepreiste?
- Short Strangle — Warum verzichtest du auf die Schutzflügel eines Iron Condors?
- Jade Lizard — Ist der Credit wirklich größer als die Breite des Call-Spreads?
Rechner zum Begriff
Im Trading-Journal festhalten
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.
Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.