MindTrajour Logo
Orderarten: Market, Limit, Stop und OCO

Orderarten bei Optionen: Market, Limit, Stop, Stop-Limit und OCO

Eine Order enthält mehr als Kauf oder Verkauf. Sie legt fest, ob Ausführung, Preisgrenze oder ein späterer Auslöser Vorrang hat. Genau dieser Tausch entscheidet, was du kontrollierst – und was offenbleibt.

Aktualisiert am 29.08.2026
Adrian Rinnus

Welche Orderart passt zu welchem Zweck?

Market-Orders priorisieren eine schnelle Ausführung, Limit-Orders eine Preisgrenze. Stop und Stop-Limit warten zunächst auf einen Auslöser und werden danach zur Market- beziehungsweise Limit-Order. OCO verbindet mehrere Orders, sodass eine Ausführung die andere aufhebt. Keine Orderart kontrolliert zugleich Zeitpunkt, Ausführung und Preis.

Das Wichtigste in Kürze

    • Eine Market-Order legt keinen maximalen Kauf- oder minimalen Verkaufspreis fest.
    • Eine Limit-Order kontrolliert die Preisgrenze, kann aber teilweise oder gar nicht ausgeführt werden.
    • Ein Stop ist ein Auslöser, kein zugesagter Ausführungspreis.
    • Ein Stop-Limit schützt nach dem Auslösen die Preisgrenze, nicht die Ausführung.
    • OCO verknüpft Orders; Verfügbarkeit und genaue Behandlung hängen von Broker und Plattform ab.

Das einfache Bild: erst der Wecker, dann der Auftrag

Stell dir eine Order wie einen Auftrag mit zwei getrennten Fragen vor:

  1. Wann wird der Auftrag aktiv? Sofort oder erst, wenn ein bestimmter Preis erreicht wird?
  2. Wie darf er ausgeführt werden? Zum besten verfügbaren Preis oder nur innerhalb einer festen Preisgrenze?

Eine Market- und eine Limit-Order sind sofort aktiv. Sie unterscheiden sich in der zweiten Frage. Ein Stop ergänzt einen Wecker: Erst wenn der Stop-Preis erreicht wird, entsteht der eigentliche Auftrag.

Das Bild hilft, weil es Auslöser und Ausführung trennt. Seine Grenze: In einem echten Markt ändern sich Quotes laufend, eine Order kann nur teilweise gefüllt werden, und Broker können unterschiedliche Trigger sowie Orderkombinationen unterstützen.

Market-Order: Ausführung vor Preisgrenze

Eine Market-Order weist den Broker an, zum besten dann verfügbaren Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Sie enthält kein Limit. Bei einem Kauf orientiert sich die Ausführung an den verfügbaren Ask-Preisen, bei einem Verkauf an den Bid-Preisen.

Das bedeutet nicht, dass der zuletzt angezeigte Kurs oder die erste sichtbare Quote dein Fill wird. Reicht die Stückzahl am besten Preis nicht, kann die Order weitere Preisstufen erreichen. Bewegt sich der Markt zwischen Absenden und Ausführung, entsteht Slippage.

Bei Optionen ist diese Unsicherheit besonders sichtbar, wenn der Spread breit ist oder der konkrete Strike wenig gehandelt wird. Die Market-Order kontrolliert die Dringlichkeit, aber nicht den maximalen Debit oder minimalen Credit.

Limit-Order: Preisgrenze vor Ausführung

Eine Limit-Order setzt die ungünstigste Preisgrenze, die du akzeptierst:

  • Ein Kauflimit wird nur zum Limitpreis oder günstiger ausgeführt.
  • Ein Verkaufslimit wird nur zum Limitpreis oder höher ausgeführt.

Das Limit ist keine Zielprognose und kein Anspruch auf einen Fill. Liegt deine Order hinter anderen Orders zum gleichen Preis, fehlt eine Gegenorder oder bewegt sich der Markt weg, kann sie offen bleiben. Eine Teilausführung ist ebenfalls möglich.

Bei mehrbeinigen Optionsstrategien ist häufig ein Nettolimit für die gesamte Kombination sinnvoller als einzelne Orders pro Leg. So begrenzt du den Debit oder Credit des Pakets. Ob und wie eine Plattform Complex Orders unterstützt, musst du beim Broker prüfen.

Stop-Order: ein Auslöser mit anschließendem Preisrisiko

Eine Stop-Order ruht, bis ein festgelegter Stop-Preis erreicht wird. Danach wird sie üblicherweise zur Market-Order. Ab diesem Moment gilt daher die Mechanik der Market-Order: Die Ausführung hat Vorrang, der konkrete Preis bleibt offen.

Angenommen, du hältst einen Call und setzt eine Verkaufs-Stop-Order bei 3,20. Wird der Stop ausgelöst, heißt das nicht, dass du zu 3,20 verkaufst. Springt der beste Bid von 3,25 direkt auf 2,80, kann der Fill deutlich unter dem Stop liegen.

Bei Optionsorders muss außerdem klar sein, welcher Wert den Stop auslöst. Je nach Broker kann das der Preis der Option, ein Bid/Ask-Kriterium oder der Kurs des Basiswerts sein. Manche Broker unterstützen Stops für bestimmte Optionsorders gar nicht. Die konkrete Plattformlogik gehört deshalb zur Prüfung vor dem Einsatz.

Stop-Limit: Auslöser plus Preisgrenze

Eine Stop-Limit-Order verbindet zwei Werte:

  • Der Stop bestimmt, wann die Order aktiv wird.
  • Das Limit bestimmt, zu welchem Preis oder besser sie danach ausgeführt werden darf.

Ein Verkaufs-Stop bei 3,20 mit Limit 3,00 wird beim Stop-Ereignis zu einer Verkaufs-Limit-Order bei 3,00. Gibt es danach Käufer zu 3,00 oder höher, kann sie ausgeführt werden. Fällt der Markt direkt unter 3,00, bleibt die Position möglicherweise offen.

Du tauschst also Preisrisiko gegen Ausführungsrisiko. Das Stop-Limit verhindert keinen Verlust und garantiert keinen Ausstieg. Es verhindert lediglich einen Fill unterhalb des gesetzten Verkaufslimits.

OCO: zwei Pläne, von denen nur einer bleiben soll

OCO steht für One Cancels the Other. Zwei oder mehr Orders werden als Einheit verknüpft. Wird eine davon ausgeführt, soll das System die übrigen stornieren.

Ein typisches Beispiel ist eine bestehende Long-Option mit:

  • einer Verkaufs-Limit-Order oberhalb des aktuellen Preises und
  • einer Stop- oder Stop-Limit-Order unterhalb des aktuellen Preises.

OCO sagt nicht voraus, welche Order zuerst greift. Es automatisiert nur die Verknüpfung. Verfügbarkeit, Trigger, Umgang mit Teilausführungen und Zeitpunkt der Stornierung sind brokerabhängig. Lies daher die Orderbeschreibung deiner Plattform, bevor du dich auf die Kopplung verlässt.

Ein Szenario mit fünf verschiedenen Aufträgen

Ein fiktiver Call steht aktuell bei:

Bid 3,80 | Ask 4,20 | letzter Trade 4,00

Du hältst einen Kontrakt und prüfst einen Verkauf.

AuftragWas du festlegstWas offenbleibt
Market-Verkaufsofort zum besten verfügbaren Preis handelntatsächlicher Verkaufspreis
Limit-Verkauf 4,10nicht unter 4,10 verkaufenob und wann ein Fill kommt
Stop-Verkauf 3,20bei 3,20 eine Market-Order aktivierenPreis nach dem Auslösen
Stop 3,20 / Limit 3,00ab 3,20 nur zu 3,00 oder höher verkaufenob der Markt das Limit noch erreicht
OCO: Limit 5,50 + Stop 3,20nach Ausführung einer Seite die andere stornierenwelche Seite zuerst greift und genaue Brokerlogik

Bei einem Multiplikator von 100 entspricht eine Preisabweichung von 0,20 einem Unterschied von 20 pro Kontrakt. Das Beispiel zeigt keine „beste“ Order. Es zeigt, welche Unsicherheit jede Order übrig lässt.

Was die Orderart nicht für dich entscheidet

  • Sie bewertet nicht, ob der Trade fachlich sinnvoll ist.
  • Sie macht einen illiquiden Kontrakt nicht liquide.
  • Ein Limit garantiert keinen Fill.
  • Ein Stop garantiert weder Verlustbegrenzung noch Stop-Preis.
  • OCO ersetzt nicht die Prüfung offener und teilweise ausgeführter Orders.
  • Eine Order bleibt von Handelsunterbrechungen, Kurslücken und schnellen Quote-Änderungen betroffen.

Vor der Orderart steht deshalb immer der Blick auf Bid, Ask, Spread und Liquidität. Optionskette und Open Interest liefern Kontext, aber keine Ausführungsgarantie.

Feynman-Check: Erklär jede Order mit zwei Sätzen

Nimm ein leeres Blatt und beantworte für jede Orderart nur diese zwei Fragen:

  1. Wann wird die Order aktiv?
  2. Was kontrolliert sie nach der Aktivierung: Preis, Ausführung oder beides nur teilweise?

Eine vollständige Erklärung lautet in einfacher Sprache:

  • Market: „Jetzt handeln; der Preis steht vorher nicht fest.“
  • Limit: „Nur bis zu meiner Preisgrenze handeln; vielleicht passiert nichts.“
  • Stop: „Erst beim Auslöser starten; danach ist der Preis offen.“
  • Stop-Limit: „Erst beim Auslöser starten; danach gilt meine Preisgrenze, aber der Fill ist offen.“
  • OCO: „Mehrere Aufträge koppeln; nach einer Ausführung sollen die anderen verschwinden.“

Wenn du bei Stop und Stop-Limit denselben Satz schreibst, liegt dort die Wissenslücke: Der eine wird nach dem Trigger zur Market-, der andere zur Limit-Order.

Eine kurze Prüfung vor dem Absenden

  1. Geht es um Einstieg, Ausstieg oder eine gekoppelte Exit-Planung?
  2. Welche Unsicherheit ist wichtiger: Preisabweichung oder ausbleibende Ausführung?
  3. Wie breit ist der aktuelle Spread, und welche Größe steht auf Bid und Ask?
  4. Welcher Wert löst einen Stop bei diesem Broker tatsächlich aus?
  5. Was passiert bei Teilausführungen, Kurslücken und einer schnellen Gegenbewegung?
  6. Ist bei mehreren Legs eine Kombinationsorder mit Nettolimit verfügbar?
  7. Wie lange bleibt die Order gültig, und welche offenen Orders musst du später prüfen?

Damit ist Säule B vollständig: Der Artikel zu Bid, Ask, Spread und Liquidität erklärt den sichtbaren Markt. Die Orderarten erklären, welche Bedingung du an deine tatsächliche Ausführung knüpfst.

Quellen

  1. Options Terminology, Fundamentals and Basic Concepts — Options Industry Council (abgerufen am 2026-08-28)
  2. Types of Orders — Investor.gov, U.S. Securities and Exchange Commission (abgerufen am 2026-08-29)
  3. Trade Entry & Execution — Options Industry Council (abgerufen am 2026-08-29)
  4. Cboe Exchange Rule Book — Cboe Global Markets (abgerufen am 2026-08-29)

Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.