Was ist der Zeitwert einer Option?
Wofür zahlst du über den inneren Wert hinaus?
Der Zeitwert ist der Teil der Optionsprämie, der über den inneren Wert hinausgeht — auch extrinsischer Wert genannt. Er bezahlt die Möglichkeit, dass sich der Kurs bis zum Verfall noch bewegt, und hängt vor allem an Restlaufzeit und impliziter Volatilität. Am Verfall ist er per Definition null.
Was den Zeitwert treibt
Wie groß der Zeitwert ausfällt, hängt an drei Stellschrauben. Je länger die Restlaufzeit, desto mehr Spielraum hat der Kurs und desto höher der Zeitwert. Je höher die implizite Volatilität, desto größere Ausschläge erwartet der Markt — auch das hebt ihn an. Dazu kommt der Abstand zum Strike: Am Geld ist der Zeitwert am größten. Je weiter eine Option ins Geld oder aus dem Geld rückt, desto kleiner wird er, weil der Ausgang in beide Richtungen weniger offen ist.
Wer ihn bezahlt und wer ihn kassiert
Als Käufer zahlst du den Zeitwert im Voraus. Bevor du im Gewinn bist, muss ihn eine Kursbewegung oder ein Anstieg der impliziten Volatilität erst wieder einspielen. Als Stillhalter kassierst du ihn und behältst, was beim Verfall oder beim Rückkauf davon noch übrig ist. Auf diesem Prinzip beruht jede Strategie, die Prämie verkauft: Der Stillhalter wird dafür bezahlt, das Risiko zu tragen, dass die Bewegung doch kommt. Geschenkt gibt es fürs Warten nichts.
Der häufigste Denkfehler
Der Zeitwert schmilzt nicht im Gleichschritt ab. Ist der Verfall noch weit entfernt, geht er langsam zurück, in den letzten Wochen dagegen rasch. Und ein kräftiger Rückgang der impliziten Volatilität kann über Nacht ein großes Stück davon wegnehmen. Wer ihn als festes tägliches Einkommen für Stillhalter oder als feste tägliche Gebühr für Käufer betrachtet, schätzt sowohl den Zeitpunkt als auch das Ausmaß der Veränderung falsch ein.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.
Die Beispiel-Aktie notiert bei 100 €, der Verfall ist 30 Tage entfernt. Der 100er Call kostet 4 € je Aktie — reiner Zeitwert. Der 90er Call kostet 11 €, davon 10 € innerer Wert und 1 € Zeitwert. Der 110er Call kostet 1 €, ebenfalls nur Zeitwert. Die Option am Geld trägt also viermal so viel Zeitwert wie jeder der beiden Nachbar-Calls.
Notiert die Aktie am Verfallstag immer noch bei 100 €, verfällt der 100er Call wertlos. Der Käufer hat 400 € pro Kontrakt verloren, der Stillhalter behält genau diese 400 €. Gebühren sind ausgeklammert.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Long Straddle — Muss die Bewegung größer sein als die vom Markt bereits eingepreiste?
- Covered Call — Bist du bereit, die Aktien beim Call-Strike abzugeben - auch wenn sie danach weiterlaufen?
- Long Call Calendar — Ist die kurze Laufzeit relativ zur langen teuer (Termstruktur in Backwardation)?
Rechner zum Begriff
Im Trading-Journal festhalten
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.
Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.