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Glossar

Lohnt es sich, eine fast wertlose Position noch zu schließen?

Worum geht es beim Schließen oder Verfallenlassen?

Am Ende der Laufzeit gibt es zwei Wege: die Position aktiv schließen oder sie auslaufen lassen. Auslaufen spart Gebühren, überlässt Zuteilung und Pin Risk aber dem Schlusskurs. Schließen kostet die Geld-Brief-Spanne und beendet dafür jede Unsicherheit darüber, was am Montagmorgen im Depot liegt.

Wer hält, geht einen neuen Trade ein

Ein paar Tage vor dem Verfall ist ein Credit Spread, dessen Short-Strike weit vom Kurs entfernt liegt, oft nur noch wenige Cent wert. Den Credit vom Einstieg hast du dann größtenteils schon verdient; was du durch Halten noch gewinnen kannst, sind genau diese Cent, und riskieren musst du dafür die volle Strike-Breite abzüglich dieser Cent. Trägst du den aktuellen Preis des Spreads, also Short-Leg minus Long-Leg, im Credit-Spread-Rechner als Credit ein, siehst du diesen Trade schwarz auf weiß.

Kleine Wahrscheinlichkeit, großer Betrag

Weit weg vom Strike ist die Chance gering, dass das Short-Leg noch im Geld endet — deshalb ist der Spread ja so billig, aber gering heißt nicht null. Wie sich diese Chance mit Abstand und Restlaufzeit verändert, zeigt der Rechner für die Gewinnwahrscheinlichkeit, wenn du den Short Put oder Short Call mit den verbleibenden Tagen einträgst. Endet die Short-Option doch im Geld, bleibt der Verlust meist unter dem Maximalverlust, beträgt aber deutlich jenseits des Break-even schnell ein Vielfaches der Cent, um die es geht; kaufst du jetzt das Short-Leg zurück und verkaufst zugleich das Long-Leg, ist die Sache zum aktuellen Preis des Spreads erledigt.

Bei Long-Optionen dreht sich die Frage um

Hast du eine Option gekauft, ist die Lage umgekehrt. Ist sie fast wertlos, kannst du nur noch ihre letzten Cent verlieren; ein Verkauf lohnt sich nur, wenn diese Cent höher sind als die Gebühr für den Verkauf, mehr dazu auf der Seite zu Handelskosten. Liegt sie dagegen im Geld, wird eine Aktienoption beim Verfall in der Regel automatisch ausgeübt, nach Regeln, die je nach Broker verschieden sind: Beim Call brauchst du dann das Geld für 100 Aktien pro Kontrakt, beim Put lieferst du 100 Aktien, und besitzt du keine, hältst du danach eine Short-Position in der Aktie. Verkaufst du die Option vor Handelsschluss, bekommst du ihren Wert ohne beides.

Der häufigste Denkfehler

„Da ist doch nichts mehr zu verlieren“, denken viele bei einem fast wertlosen Spread: Der Gewinn scheint sicher, und Schließen würde nur ein paar Cent zurückgeben. Diese Cent sind aber das, was noch zu gewinnen ist. Zu verlieren ist fast die ganze Breite, beim Put Spread, wenn die Aktie durch den Short-Strike fällt, beim Call Spread, wenn sie durch ihn steigt. Eine geringe Wahrscheinlichkeit macht diesen Fall selten, nicht klein, und ob du das Risiko für die letzten Cent trägst, entscheidest du besser bewusst, statt es dem Kalender zu überlassen.

Rechenbeispiel

Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.

Ein Bull Put Spread auf die Beispiel-Aktie: 95er Put verkauft, 90er Put gekauft, 1,50 € Credit. Fünf Tage vor dem Verfall steht die Aktie bei 100 €, die implizite Volatilität bei 30 %. Laut Modell (lognormal, r = 0) ist der 95er Put noch rund 0,11 € wert und endet mit etwa 7,5 % Wahrscheinlichkeit im Geld, also ungefähr in einem von 13 Fällen; der 90er Put ist praktisch nichts mehr wert. Kaufst du den Short Put für 0,11 € zurück und lässt den wertlosen Long Put verfallen, bleiben 139 €.

Hältst du, ist das der Trade, den der Credit-Spread-Rechner für 0,11 € Credit zeigt: 11 € Maximalgewinn, 489 € Maximalverlust, Break-even bei 94,89 €. Die 489 € fallen erst bei einem Schluss bei oder unter 90 € an, die meisten Fälle im Geld kosten weniger. Auf der Call-Seite sieht es spiegelbildlich aus: Ein 105/110er Bear Call Spread ist fünf Tage vor dem Verfall bei 100 € rund 0,13 € wert, und der 105er Call endet mit etwa 8 % Wahrscheinlichkeit im Geld. Gebühren sind nicht berücksichtigt.

Strategien, in denen der Begriff zählt

  • Bull Put Spread — Willst du einen Credit gegen eine Verpflichtung - oder lieber einen Debit zahlen?
  • Covered Call — Bist du bereit, die Aktien beim Call-Strike abzugeben - auch wenn sie danach weiterlaufen?
  • Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?

Rechner zum Begriff

Im Trading-Journal festhalten

Verwandte Begriffe

Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.

Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.