Was passiert mit deiner Optionsposition am Verfallstag?
Was bedeutet Verfall?
Der Verfall ist der Zeitpunkt, an dem eine Option ihr Recht verliert und aus dem Depot verschwindet. Bis dahin trägt die verbleibende Laufzeit einen großen Teil des Zeitwerts. Verfallsregeln unterscheiden sich nach Produkt und Börse: Letzter Handelstag und Abrechnungszeitpunkt fallen nicht bei jedem Kontrakt zusammen.
Im oder aus dem Geld entscheidet
Am Verfallstag zählt für jedes Leg nur eine Frage: Liegt es im Geld oder nicht? Ein Leg aus dem Geld verfällt wertlos und verschwindet aus dem Depot. Für den Käufer ist dann die Prämie weg, der Verkäufer behält seinen Credit. Bei einer üblichen Aktienoption wird ein Leg im Geld dagegen zum Aktiengeschäft: Die gekaufte Option wird in der Regel ausgeübt, die verkaufte zugeteilt, und pro Kontrakt wechseln 100 Aktien zum Strike den Besitzer. Indexoptionen werden meist bar abgerechnet: Dann fließt nur der Betrag, um den die Option im Geld liegt. Meist geschieht die Ausübung automatisch, sofern der Inhaber nichts anderes anweist.
Beim Spread: drei Ausgänge
Ein vertikaler Spread besteht aus zwei Legs mit demselben Verfall, und die können am Verfallstag auf verschiedenen Seiten des Kurses landen. Liegen beide aus dem Geld, verfallen beide, und dein Ergebnis ist der Credit oder der Debit vom Einstieg. Liegen beide im Geld, gleichen sich Ausübung und Zuteilung in bar aus; heraus kommt der maximale Gewinn oder der maximale Verlust. Heikel ist nur der Fall dazwischen. Steht der Kurs zwischen den Strikes, ist ein Leg im Geld, das andere verfällt, und am nächsten Morgen liegt eine Aktienposition im Depot, die der Spread vorher begrenzt hat.
Wer entscheidet und wessen Regeln gelten
Ob ausgeübt wird, entscheidet der Inhaber der Option. Die Clearingstelle verteilt die Ausübungen auf Broker mit Short-Positionen, und der Broker gibt sie an einzelne Konten weiter. Weil der Inhaber auch noch nach dem letzten Schlusskurs entscheiden kann, kann ein Short-Leg, das knapp aus dem Geld geschlossen hat, trotzdem zugeteilt werden. Letzter Handelstag, Annahmeschluss und Ausübungsschwellen unterscheiden sich je nach Produkt, Börse und Broker; verbindlich sind die Regeln deines Brokers für dein Konto. Kann dein Konto die entstehenden Aktien nicht tragen, kann der Broker die Position auch selbst schließen.
Der häufigste Denkfehler
Viele verlassen sich darauf, dass ein Spread mit definiertem Risiko das auch über den Verfall hinaus bleibt, dabei gilt das nur, solange beide Legs existieren. Ist das Long-Leg verfallen und das Short-Leg zugeteilt, hältst du Aktien — und deren Risiko begrenzt der Spread nicht mehr, denn die Aktie kann in der nächsten Sitzung weit tiefer oder höher eröffnen. Steht der Kurs kurz vor dem Verfall zwischen den Strikes, bleibt der maximale Verlust nur dann die Zahl, mit der du geplant hast, wenn du den Spread vorher schließt.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.
Ein Bull Put Spread auf die Beispiel-Aktie: 95er Put verkauft, 90er Put gekauft, 1,50 € Credit. Schließt die Aktie am Verfallstag bei 97 €, verfallen beide Puts wertlos, und die 150 € Credit sind dein Gewinn. Bei 88 € liegen beide im Geld; Zuteilung und Ausübung gleichen sich zu einem Verlust von (5 − 1,50) × 100 = 350 € aus, dem Maximalverlust aus dem Credit-Spread-Rechner.
Bei 92 € liegt nur der 95er Put im Geld. Rechnerisch steht die Position bei −(3 − 1,50) × 100 = −150 €. Bleibt sie offen, wird der 95er Put zugeteilt: Du kaufst 100 Aktien für 9.500 €, die nur 9.200 € wert sind, während der 90er Put verfällt. In die nächste Sitzung gehst du mit 100 Aktien, und unter 90 € wächst der Verlust mit jedem Euro weiter, den die Aktie fällt. Gebühren sind nicht berücksichtigt.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Covered Call — Bist du bereit, die Aktien beim Call-Strike abzugeben - auch wenn sie danach weiterlaufen?
- Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?
- Long Call Calendar — Ist die kurze Laufzeit relativ zur langen teuer (Termstruktur in Backwardation)?
Rechner zum Begriff
Im Trading-Journal festhalten
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.
Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.