Wann ist eine Optionsprämie teuer?
Was ist eine Optionsprämie?
Die Optionsprämie ist der Preis eines Optionskontrakts und besteht aus innerem Wert und Zeitwert. Der Käufer zahlt sie, der Verkäufer vereinnahmt sie. Für den Verkäufer ist sie nicht automatisch Gewinn: Sie ist die Bezahlung für eine Verpflichtung, die bis zum Verfall oder bis zum Schließen bestehen bleibt.
Erst durch den Kurs teilen
Ob 3 € viel Geld für eine Option sind, hängt an der Aktie: Bei 50 € Kurs ist das ein kräftiger Einsatz, bei 200 € kaum der Rede wert. Teilst du die Prämie durch den Aktienkurs, wird aus dem Eurobetrag ein Prozentwert, und erst der lässt sich über Aktien mit ganz unterschiedlichem Kursniveau hinweg vergleichen. Haben zwei Optionen am Geld dieselbe Restlaufzeit, rechnet der Markt bei der mit dem höheren Prozentwert mit stärkeren Schwankungen.
Die IV steckt im Preis
Für Optionen am Geld gibt es eine Faustregel, die Prämie und Volatilität verbindet. Sie lautet: Prämie ≈ 0,4 × Kurs × IV × Wurzel aus (Restlaufzeit in Tagen ÷ 365). Umgestellt verrät dir der Preis, welche implizite Volatilität der Markt gerade verlangt. Die 0,4 ist ein gerundeter Wert, genau sind es 0,399; die Näherung trägt nur am oder nahe am Geld, Zinsen und Dividenden bleiben außen vor. Weiter draußen liest du die IV besser direkt in der Optionskette ab.
Teuer im Vergleich zur eigenen Geschichte
Ein Urteil über teuer oder billig erlaubt die IV erst im Vergleich mit ihrer Vergangenheit. Dieselben 25 % können bei der einen Aktie am unteren Rand ihres Jahres liegen und bei der anderen am oberen. Der IV-Perzentil-Rechner ordnet den heutigen Wert in die Spanne der letzten 52 Wochen ein. Teuer ist eine Prämie also dann, wenn die eingepreiste Volatilität für genau diese Aktie hoch ist, nicht wenn der Eurobetrag groß ausfällt. Und selbst eine hohe IV kann ein fairer Preis sein, wenn tatsächlich ein Ereignis ansteht.
Der häufigste Denkfehler
Viele vergleichen Prämien über verschiedene Aktien hinweg in Euro. Dann wirkt eine Option für 5,72 € doppelt so teuer wie eine für 2,86 €, obwohl beide exakt gleich bepreist sein können: Läuft die erste auf eine Aktie zu 200 € und die zweite auf eine zu 100 €, mit gleicher IV und gleichem Verfall, kosten beide 2,86 % des Kurses. Andersherum täuscht eine kleine Prämie auf einer billigen Aktie, die die doppelte IV trägt — deshalb zählen Prozentwert und implizite Volatilität, nie der Eurobetrag allein.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.
Drei Beispiel-Aktien, jeweils ein Call am Geld mit 30 Tagen Restlaufzeit, Zinsen und Dividenden ausgeklammert. Aktie A steht bei 100 €, IV 25 %: Der Call kostet etwa 2,86 €, also 2,86 % des Kurses. Aktie B steht bei 50 €, IV 50 %: Auch hier kostet der Call etwa 2,86 €, das sind aber rund 5,7 % des Kurses.
Aktie C steht bei 200 €, IV 25 %, und der Call kostet 5,72 € — doppelt so viele Euro wie bei A, prozentual dieselben 2,86 %. Die Faustregel liefert für A 0,4 × 100 × 0,25 × √(30/365) ≈ 2,87 €. Gebühren bleiben außen vor.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Cash-Secured Put — Wäre der Strike auch nach einem 30%-Absturz noch ein Preis, den du zahlen willst?
- Covered Call — Bist du bereit, die Aktien beim Call-Strike abzugeben - auch wenn sie danach weiterlaufen?
- Long Call — Reicht die erwartete Bewegung über K + D hinaus - und zwar rechtzeitig?
Rechner zum Begriff
Im Trading-Journal festhalten
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.
Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.