Breiterer Spread oder mehr Kontrakte: Was erhöht das Risiko?
Was legt die Strike-Breite fest?
Die Strike-Breite ist der Abstand zwischen den Strikes zweier Legs eines Spreads. Bei definierten Strategien bestimmt sie unmittelbar den maximalen Verlust: Breite mal Kontraktgröße, abzüglich des vereinnahmten Credits. Eine größere Breite bringt mehr Prämie und zugleich mehr Risiko; das Verhältnis verschiebt sich dabei nicht automatisch zum Guten.
Breite und Anzahl skalieren beide den Verlust
Bei einem vertikalen Credit Spread ergibt sich der maximale Verlust aus Breite minus Credit, mal 100, mal Zahl der Kontrakte; beim Debit Spread ist es der gezahlte Debit. Zwei Hebel verändern diese Zahl: der Abstand zwischen den Strikes und die Menge der Spreads. Schiebst du den Long-Strike nach außen und verdoppelst so die Breite, wächst das Risiko je Spread auf mehr als das Doppelte, weil sich der Credit selten mitverdoppelt; verdoppelst du die Kontrakte, verdoppelt es sich exakt. Am Ende kann eine ähnliche Summe stehen, doch die Positionen verhalten sich verschieden.
Warum sich die Profile unterscheiden
Bei mehreren schmalen Spreads liegt der Long-Strike dicht am Short-Strike. Ist der Short-Strike durchbrochen, ist der Maximalverlust schnell erreicht. Ein einzelner breiter Spread verteilt dasselbe Risiko über einen längeren Kursbereich: Der Verlust baut sich langsamer auf, wächst aber noch weit über den Short-Strike hinaus. Auch der Break-even verschiebt sich, weil ein breiter Spread mehr Credit je Spread einbringt, wenn auch meist weniger je Euro Breite.
Kosten und Steuerung
Mehr Kontrakte heißt mehr Legs, mehr Gebühren und mehr Schlupf je Euro Risiko. Dafür kannst du leicht teilweise schließen und etwa einen von mehreren Spreads zurückkaufen. Ein einzelner breiter Spread hat weniger Legs und Gebühren, lässt sich beim Anpassen aber nur ganz oder gar nicht bewegen. Beim Iron Condor stellt sich dieselbe Frage auf beiden Seiten: Breitere Flügel bedeuten bei festem Risikobudget weniger Kontrakte.
Der häufigste Denkfehler
Ein breiterer Spread wirkt oft sicherer, weil der Short-Strike bleiben kann, wo er ist, und der Credit größer ausfällt. Was dabei wächst, ist der maximale Verlust: Mehr Breite heißt mehr Euro Risiko je Spread. Den vollen Verlust erreichst du zwar seltener, die Wahrscheinlichkeit, dass der Short-Strike durchbrochen wird, bleibt aber dieselbe. Wer zwei Spreads nur am Credit vergleicht, ohne ihn ins Verhältnis zum jeweiligen Risiko zu setzen, übersieht genau diesen Tausch.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.
Die Beispiel-Aktie notiert bei 100 €. Variante A: Du verkaufst den 105/110er Call Spread zweimal für je 1,60 € Credit. Variante B: Du verkaufst den 105/115er Call Spread einmal für 2,90 €. A riskiert (5 − 1,60) × 100 × 2 = 680 €, um 320 € zu verdienen, Break-even bei 106,60 €. B riskiert (10 − 2,90) × 100 = 710 € für 290 €, Break-even bei 107,90 €.
A erreicht den Maximalverlust schon ab 110 €, B verliert weiter bis 115 €. Gebühren bleiben unberücksichtigt.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Bull Put Spread — Willst du einen Credit gegen eine Verpflichtung - oder lieber einen Debit zahlen?
- Bear Call Spread — Wie weit liegt der untere Strike außerhalb der erwarteten Bewegung bis zum Verfall?
- Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?
Rechner zum Begriff
Im Trading-Journal festhalten
Verwandte Begriffe
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Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.