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Glossar

Was ist das Chance-Risiko-Verhältnis?

Was verrät das CRV über einen Trade?

Das Chance-Risiko-Verhältnis setzt den möglichen Gewinn einer Position ins Verhältnis zum möglichen Verlust. Bei Optionen steht es fast immer im Gegensatz zur Trefferquote: Strategien, die häufig gewinnen, haben typischerweise ein ungünstiges Verhältnis. Erst beide Zahlen zusammen ergeben ein Bild, jede allein führt in die Irre.

So berechnest du das CRV

Für das CRV teilst du den möglichen Gewinn durch den möglichen Verlust. Nicht jeder rechnet in dieser Reihenfolge, schau also immer nach, welche Zahl oben im Bruch steht. Beim Credit Spread ist der Gewinn der vereinnahmte Credit und der Verlust die Breite abzüglich des Credits; beim Debit Spread ist es genau umgekehrt. Hat ein Trade kein festes Maximum, nimmst du stattdessen deinen geplanten Ausstieg mit Kursziel und Stopp. Dann ist das CRV allerdings nur so verlässlich wie deine Disziplin, dich an diesen Plan zu halten.

Welche Trefferquote ein CRV voraussetzt

Jedes CRV bringt eine Mindest-Trefferquote mit sich, ab der sich der Trade über viele Wiederholungen trägt. Du berechnest sie als Verlust geteilt durch die Summe aus Gewinn und Verlust. Wer 300 riskiert, um 100 zu verdienen, muss in mehr als 75 Prozent der Fälle richtig liegen; bei 100 Risiko für 300 Gewinn reichen 25 Prozent. Credit-Strategien mit hoher Trefferquote haben deshalb fast immer ein ungünstiges CRV — und keine der beiden Zahlen zeigt für sich, ob eine Strategie einen echten Vorteil bietet.

Der häufigste Denkfehler

Ein günstiges CRV wirkt wie der bessere Trade, ein ungünstiges wie der schlechtere. Für sich allein trifft beides nicht zu. In Optionspreisen sind Auszahlung und Wahrscheinlichkeit bereits gegeneinander verrechnet; verschiebst du die Strikes, tauschst du im Wesentlichen das eine gegen das andere. Worauf es ankommt: Liegt deine tatsächliche Trefferquote über ausreichend viele abgeschlossene Trades oberhalb der Schwelle, die dein CRV verlangt? Beantworten kann das nur eine saubere Aufzeichnung genau dieser Trades.

Rechenbeispiel

Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.

Die Beispiel-Aktie notiert bei 100 €. Du verkaufst den 97er Put und kaufst den 92er Put mit gleichem Verfall, netto für 1,25 € je Aktie. Pro Kontrakt gewinnst du höchstens 125 € und verlierst höchstens (5 − 1,25) × 100 = 375 €. Du setzt also drei Euro ein, um einen zu verdienen.

Die nötige Trefferquote beträgt 375 / (375 + 125) = 75 Prozent. Unterstellt man, dass jeder Trade entweder beim Max Profit oder beim Max Loss endet, bringt eine Trefferquote von 80 Prozent im Schnitt 0,8 × 125 − 0,2 × 375 = 25 € pro Trade; bei 70 Prozent sind es −25 €. Gebühren sind nicht berücksichtigt.

Strategien, in denen der Begriff zählt

  • Bull Put Spread — Willst du einen Credit gegen eine Verpflichtung - oder lieber einen Debit zahlen?
  • Long Call Butterfly — Hast du ein präzises Kursziel - nicht nur eine Richtung?
  • Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?

Rechner zum Begriff

Im Trading-Journal festhalten

Verwandte Begriffe

Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.

Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.