Was kostet Slippage einen Trade mit knappem Edge?
Was ist Slippage?
Slippage ist die Differenz zwischen dem erwarteten und dem tatsächlich erzielten Ausführungspreis. Bei Optionen entsteht sie vor allem durch breite Geld-Brief-Spannen, dünne Orderbücher und mehrbeinige Orders. Sie fällt zweimal an, beim Öffnen und beim Schließen, und trifft Strategien mit kleinem Ertrag pro Trade am härtesten.
Doppelt bezahlt
Slippage fällt nicht pro Trade an, sondern pro Fill. Kaufst du einen Credit Spread am Gewinnziel zurück, statt ihn verfallen zu lassen, brauchst du zwei davon: Beim Einstieg kommt womöglich weniger Credit herein als geplant, beim Rückkauf kostet der Spread womöglich mehr. Beides geht vom selben, ohnehin kleinen Gewinn ab — beim vorzeitig gemanagten Gewinner also doppelt, während ein bis zum Verfall gehaltener Spread nur die Lücke beim Einstieg bezahlt.
Der Gewinn schrumpft stärker, als der Verlust wächst
Dieselben Cent pro Aktie wiegen auf beiden Seiten des Plans unterschiedlich schwer. Abgezogen werden sie von einem kleinen geplanten Gewinn, aufgeschlagen auf einen großen Maximalverlust. Soll ein Credit Spread die Hälfte seines Credits mitnehmen, können zehn Cent pro Seite rund ein Viertel des Gewinns kosten, während der Maximalverlust nur um wenige Prozent steigt. Den zweiten Effekt zeigt dir der Credit-Spread-Rechner, wenn du den tatsächlich erhaltenen Credit einträgst. Er rechnet allerdings damit, dass beide Legs bis zum Verfall laufen, und den ersten Effekt siehst du erst an deinem Rückkaufpreis.
Die nötige Trefferquote steigt
Weniger Gewinn und mehr Verlust bedeuten, dass der Trade öfter aufgehen muss, um auf null zu kommen. Wie auf der Seite zum Chance-Risiko-Verhältnis ist die nötige Trefferquote der Verlust geteilt durch die Summe aus Gewinn und Verlust, vorausgesetzt, Gewinner enden am Ziel und Verlierer beim Maximalverlust. Im CRV-Rechner gibst du den Spread dafür als Short-Trade ein, mit dem erhaltenen Credit als Einstieg, dem geplanten Rückkaufpreis als Ziel und der Strike-Breite als Stopp. Aus gut 80 % werden so schnell fast 87 %.
Der häufigste Denkfehler
Zehn Cent pro Aktie, bei einem 5 € breiten Spread? Das klingt nach Rauschen. Nur vergleichst du dann mit der falschen Zahl: Slippage gehört neben den geplanten Gewinn, nicht neben den Aktienkurs oder den Maximalverlust, und bei Trades mit hoher Trefferquote ist dieser Gewinn klein. Bei einem Ziel von 75 € machen zehn Cent auf jeder Seite schon 20 € davon aus. Ob deine Fills tatsächlich so viel kosten, erkennst du erst, wenn du geplante und erzielte Preise Trade für Trade nebeneinanderlegst.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.
Ein Bull Put Spread auf die Beispiel-Aktie, 95er Put verkauft, 90er Put gekauft. Geplant sind 1,50 € Credit und ein Rückkauf bei 0,75 €, also bei der Hälfte. Beide Fills kommen 0,10 € schlechter: Eröffnet wird zu 1,40 €, geschlossen zu 0,85 €.
Für den erhaltenen Credit zeigt der Credit-Spread-Rechner 140 € statt 150 € Maximalgewinn, 360 € statt 350 € Maximalverlust und einen Break-even bei 93,60 € statt 93,50 €. Der gemanagte Gewinn sinkt von 75 € auf 55 € pro Kontrakt, um 26,7 %, der Maximalverlust steigt nur um 2,9 %. Enden Gewinner am Ziel und Verlierer beim Maximalverlust, steigt die nötige Trefferquote von 350 / (350 + 75) = 82,4 % auf 360 / (360 + 55) = 86,7 %. Gebühren sind nicht berücksichtigt.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?
- Long Call Butterfly — Hast du ein präzises Kursziel - nicht nur eine Richtung?
- Wheel — Würdest du diese Aktie auch ohne Optionsprämie kaufen und halten?
Rechner zum Begriff
Im Trading-Journal festhalten
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.
Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.