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Glossar

Was bedeutet Rollen bei Optionen?

Was passiert bei einem Roll genau?

Rollen bedeutet, eine bestehende Optionsposition zu schließen und gleichzeitig eine neue mit anderem Strike oder späterem Verfall zu eröffnen. Es ist ein neuer Trade mit eigenen Kosten und eigenem Risiko, keine Reparatur. Ein Roll gegen Credit verschiebt die Entscheidung nach hinten, er beseitigt die ursprüngliche Fehleinschätzung nicht.

Ein Roll sind zwei Trades

Hinter jedem Roll stecken zwei Orders: eine, die die alte Position glattstellt, und eine, die eine neue eröffnet. Meist gehen beide zusammen als eine Spread-Order an den Markt. Mit dem Glattstellen realisierst du Gewinn oder Verlust der bisherigen Position. Die Neueröffnung ist ein eigener Trade mit eigenem Strike, eigener Laufzeit, eigener Prämie und eigenem Risiko. Der Nettopreis des Rolls ist die Differenz aus beiden: ein Credit, wenn die neue Option mehr einbringt, als dich der Rückkauf der alten kostet, andernfalls ein Debit.

Was sich durch den Roll verschiebt

Rollst du in eine spätere Laufzeit, erhältst du meist einen Credit, weil die spätere Option mehr Zeitwert trägt. Verlegst du den Strike weiter weg vom Kurs, kostet dich das in der Regel einen Teil davon. Unterm Strich verschiebt sich der Break-even, bei Spreads unter Umständen auch der Max Loss. Bevor du rollst, prüf die neue Position so, als würdest du sie heute frisch eröffnen: Würdest du zu diesem Preis, mit diesem Strike und diesem Verfall einsteigen, wenn es die alte Position nie gegeben hätte?

Der häufigste Denkfehler

Ein Roll gegen Credit wird gern als Erfolg verbucht. Für sich genommen ist er keiner: Hast du die alte Option mit Verlust zurückgekauft, ist dieser Verlust real und bereits realisiert; der Credit gleicht nur einen Teil davon aus. Wer immer wieder rollt, schleppt außerdem eine einzelne Fehlentscheidung über Monate mit sich, während das Kapital gebunden bleibt. Was ein Roll gebracht hat, zeigt erst die Summe aller Schließ- und Eröffnungspreise der gesamten Kette, nicht der letzte Credit.

Rechenbeispiel

Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.

Die Beispiel-Aktie notiert bei 100 €. Du verkaufst als Stillhalter den 100er Put für 3 € je Aktie. Eine Woche vor dem Verfall steht die Aktie bei 94 €, und der Put kostet inzwischen 6,50 €. Du rollst: Rückkauf für 6,50 €, gleichzeitig Verkauf eines 97er Puts mit fünf Wochen Laufzeit für 6,90 €. Netto bleibt ein Credit von 0,40 €.

Mit dem Rückkauf realisierst du einen Verlust von (6,50 − 3) × 100 = 350 € pro Kontrakt. Über die ganze Kette hast du 3 − 6,50 + 6,90 = 3,40 € je Aktie eingenommen. Berücksichtigst du den realisierten Verlust, liegt der Break-even der neuen Position bei 97 − 3,40 = 93,60 €. Gebühren bleiben außen vor.

Strategien, in denen der Begriff zählt

  • Covered Call — Bist du bereit, die Aktien beim Call-Strike abzugeben - auch wenn sie danach weiterlaufen?
  • Cash-Secured Put — Wäre der Strike auch nach einem 30%-Absturz noch ein Preis, den du zahlen willst?
  • Wheel — Würdest du diese Aktie auch ohne Optionsprämie kaufen und halten?

Rechner zum Begriff

Im Trading-Journal festhalten

Verwandte Begriffe

Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.

Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.