Wie liest du ein Payoff-Diagramm?
Was zeigt dir ein Payoff-Diagramm?
Ein Payoff-Diagramm zeigt den Gewinn oder Verlust einer Strategie in AbhĂ€ngigkeit vom Kurs des Basiswerts. Es macht Gewinnzone, Break-even und Verlustgrenzen sichtbar, bildet aber nicht automatisch Zeitwert, implizite VolatilitĂ€t, GebĂŒhren oder den Kursweg ab. FĂŒr Laufzeitkombinationen ist eine Simulation hĂ€ufig aussagekrĂ€ftiger als ein einfacher Verfalls-Payoff.
Achsen, Knicke, flache Strecken
Unten auf der Achse steht der Kurs des Basiswerts zu einem gewĂ€hlten Stichtag, links der Gewinn oder Verlust der gesamten Position bei genau diesem Kurs. Die Schnittpunkte mit der Nulllinie sind die Break-evens; flache Strecken oben und unten zeigen Max Profit und Max Loss. Knicke findest du ausschlieĂlich an Strikes, denn dort beginnt oder endet der Wertbeitrag eines Legs. Wie steil die Linie zwischen zwei Knicken verlĂ€uft, verrĂ€t dir, wie viel die Position je Euro Kursbewegung gewinnt oder verliert.
Verfallslinie und heutige Kurve
Ăblich ist eine kantige Linie fĂŒr den Verfallstag, manchmal ergĂ€nzt um eine weichere Kurve fĂŒr heute. Was zwischen beiden liegt, ist Zeitwert: Vor dem Verfall steckt in den Optionen noch extrinsischer Wert, die Position bewegt sich also irgendwo zwischen ihrem Einstiegswert und dem Payoff am Verfall. Kombinierst du Legs mit unterschiedlichen Laufzeiten, etwa in einem Calendar oder Diagonal, gibt es ĂŒberhaupt keine einzelne Verfallslinie. Die Kurve lĂ€sst sich dann nur mit einem Modell und einer angenommenen impliziten VolatilitĂ€t zeichnen.
Der hÀufigste Denkfehler
Das Diagramm zeigt, was passiert, nicht wie wahrscheinlich es ist. Die breite Gewinnzone eines Long Straddle wirkt groĂzĂŒgig, verrĂ€t aber nicht, wie weit sich die Aktie voraussichtlich bewegt. AuĂerdem setzt das Bild voraus, dass jedes Leg bis zum dargestellten Datum offen bleibt. Eine vorzeitige Zuteilung, ein frĂŒhes Glattstellen oder ein Roll fĂŒhren zu einem ganz anderen Diagramm. Nutze es deshalb zusammen mit Gewinnwahrscheinlichkeit und Expected Move, nicht als Ersatz dafĂŒr.
Rechenbeispiel
Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.
Die Beispiel-Aktie notiert bei 100 âŹ. Du kaufst den 100er Call fĂŒr 4 ⏠und den 100er Put fĂŒr 3,50 âŹ. Zusammen kostet dich das 7,50 ⏠je Aktie, also 750 ⏠pro Kontrakt.
Ihren Tiefpunkt hat die Verfallslinie genau bei 100 âŹ: ein Verlust von 750 âŹ. Bei 92,50 ⏠und 107,50 ⏠kreuzt sie die Nulllinie â das sind die beiden Break-evens. AuĂerhalb davon steigt sie um 100 ⏠je Euro Kursbewegung an. FĂ€llt die Aktie auf 85 âŹ, ist der Put 15 ⏠wert, und du liegst mit (15 â 7,50) Ă 100 = 750 ⏠im Gewinn. GebĂŒhren sind nicht eingerechnet.
Strategien, in denen der Begriff zÀhlt
- Short Iron Condor â Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?
- Long Straddle â Muss die Bewegung gröĂer sein als die vom Markt bereits eingepreiste?
- Long Call Diagonal â Liegt der obere Strike oberhalb vom unteren Strike plus gezahltem Debit?
Rechner zum Begriff
Im Trading-Journal festhalten
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im Ăberblick findest du im Options-Glossar.
Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. OptionsgeschĂ€fte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten ĂŒber den Einsatz hinaus fĂŒhren. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.