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Glossar

Was hältst du noch, wenn du ein Leg des Spreads zuerst schließt?

Was ist ein Leg?

Ein Leg ist eine einzelne Option innerhalb einer mehrteiligen Strategie. Ein Spread hat zwei Legs, ein Iron Condor vier. Greeks und Risiko der Gesamtposition ergeben sich aus der Summe aller Legs; einzelne Legs getrennt zu schließen verändert das Profil grundlegend und kann definiertes Risiko wieder öffnen.

Zwei Legs, zwei Aufgaben

In einem vertikalen Credit Spread arbeiten zwei Legs mit demselben Verfall gegeneinander: Das Short-Leg bringt die Prämie ein, das weiter aus dem Geld gekaufte Long-Leg begrenzt den Verlust, den das Short-Leg allein anhäufen könnte. Beim Bull Put Spread fängt der Long Put die Verluste unterhalb seines Strikes ab, beim Bear Call Spread der Long Call die oberhalb. Fehlt eines der beiden Legs, steht das andere allein da und trägt das Risiko einer einzelnen Option, nicht mehr das des Spreads.

Die Reihenfolge entscheidet

Schließt du einen Spread Leg für Leg, bleibt zwischen den beiden Ausführungen eine einzelne Option offen. Welche das ist, hängt davon ab, womit du anfängst. Kaufst du zuerst das Short-Leg zurück, hältst du nur noch die Long-Option. Mehr als ihren Restwert kann sie nicht verlieren. Verkaufst du dagegen zuerst das Long-Leg, bleibt eine ungedeckte Short-Option übrig: beim Put ein Verlust, der bis zu einem Aktienkurs von null reichen kann, beim Call einer ohne Obergrenze. Die Margin-Anforderung springt im selben Moment auf den Wert für eine ungedeckte Position.

Leg für Leg oder als Kombination

Beim Eröffnen gilt dasselbe in umgekehrter Richtung. Eine Kombinationsorder bepreist beide Legs als einen Nettobetrag, und ausgeführt werden sie nur gemeinsam; ob und zu welchem Nettopreis, entscheidet trotzdem der Markt. Steigst du dagegen Leg für Leg ein, trägst du bis zur zweiten Ausführung das Risiko des ersten Legs allein: einen ungedeckten Short Put oder Short Call, wenn das Short-Leg zuerst kam, oder eine Long-Option, die ihre Prämie verlieren kann, wenn es das Long-Leg war.

Der häufigste Denkfehler

Ein fast wertloses Long-Leg wirkt wie liegen gelassenes Geld. Also wird es für die letzten Cent verkauft, und das Short-Leg läuft weiter. Genau diese Cent sind aber der Preis für die Begrenzung. Ohne das Long-Leg kann ein Short Put verlieren, bis die Aktie bei null steht, ein Short Call sogar unbegrenzt, und das für ein, zwei Euro pro Kontrakt. Wer schließen will, nimmt zuerst das Short-Leg heraus oder beide Legs zusammen; dann bleibt der Verlust bei jedem Schritt begrenzt.

Rechenbeispiel

Die Zahlen sind ausgedacht und dienen nur der Veranschaulichung. Sie sind weder ein Kurs noch eine Empfehlung.

Ein Bull Put Spread auf die Beispiel-Aktie bei 100 €: 95er Put für 2,00 € verkauft, 90er Put für 0,50 € gekauft, 1,50 € Netto-Credit. Mit beiden Legs zeigt der Multi-Leg-Break-Even-Rechner 150 € Maximalgewinn, 350 € Maximalverlust und einen Break-even bei 93,50 €. Für den Short Put allein stehen dort 9.300 € mit dem Zusatz „Unbegrenztes Downside-Risiko“ — gemeint ist ein Verlust bis zu einem Aktienkurs von null. Der Long Put allein kann höchstens seine 50 € verlieren.

Eine Woche vor dem Verfall, Kurs weiter 100 €, implizite Volatilität 30 %: Laut Modell (lognormal, r = 0) ist der 95er Put rund 0,21 € wert, der 90er Put rund 0,01 €. Beide zusammen zu schließen kostet etwa 20 €, und rund 130 € bleiben. Verkaufst du zuerst den Long Put, bekommst du etwa 1 €, und der 95er Put steht ungedeckt da. Kaufst du zuerst den Short Put für etwa 21 € zurück, bleibt ein 90er Put, der nur noch seinen letzten Euro verlieren kann. Gebühren sind nicht berücksichtigt.

Strategien, in denen der Begriff zählt

  • Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?
  • Bull Put Spread — Willst du einen Credit gegen eine Verpflichtung - oder lieber einen Debit zahlen?
  • Long Call Diagonal — Liegt der obere Strike oberhalb vom unteren Strike plus gezahltem Debit?

Rechner zum Begriff

Im Trading-Journal festhalten

Verwandte Begriffe

Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.

Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.