Was ist Gamma bei Optionen?
Warum wird Gamma vor dem Verfall unangenehm?
Gamma beschreibt, wie schnell sich Delta verändert, wenn der Basiswert steigt oder fällt. Long-Optionen haben typischerweise positives Gamma, Short-Optionen negatives Gamma. Dadurch reagieren Short-Gamma-Positionen bei starken Bewegungen zunehmend empfindlich. Das Risiko zeigt sich besonders nahe am Strike oder wenn wenig Restlaufzeit bleibt und Bewegungen nicht mehr linear wirken.
Was Gamma misst
Gamma ist die Änderungsrate des Deltas. Ein Gamma von 0,05 bedeutet, dass sich das Delta bei einer Kursbewegung von einem Euro um etwa 0,05 verschiebt. Gekaufte Optionen tragen positives Gamma, verkaufte negatives. Am größten ist Gamma bei Optionen am Geld und kurz vor dem Verfall — dort verwandelt schon eine kleine Bewegung eine fast wertlose Option in eine fast aktienähnliche.
Weit im Geld und weit aus dem Geld ist Gamma dagegen klein: Dort liegt das Delta bereits nahe an seinem Extremwert und hat wenig Spielraum. Gamma beschreibt damit nicht nur, wie schnell sich etwas ändert, sondern auch, wo im Payoff die Unsicherheit konzentriert ist.
Was das für eine Position bedeutet
Positives Gamma heißt, dass die Position bei Bewegung immer stärker in die richtige Richtung reagiert; davon lebt ein Long Straddle. Negatives Gamma bedeutet das Gegenteil: Je weiter der Kurs gegen dich läuft, desto schneller wächst der Verlust. Deshalb schließen viele Prämienverkäufer ihre Positionen vor der letzten Woche, statt die verbliebene Prämie bis zum Ende auszureizen.
Sichtbar wird der Effekt in der Größenordnung: Dieselbe Kursbewegung, die eine Position mit 45 Tagen Restlaufzeit kaum bewegt, kann eine Position mit drei Tagen Restlaufzeit vom maximalen Gewinn zum maximalen Verlust tragen. Nicht die Bewegung ist größer geworden, sondern die Empfindlichkeit dagegen.
Der häufigste Denkfehler
Ein hoher Theta-Wert kurz vor dem Verfall sieht nach maximalem Ertrag aus. Theta und Gamma wachsen aber gemeinsam: Der schnelle Zeitwertverfall wird mit derselben Empfindlichkeit gegenüber Kursbewegungen bezahlt. Wer nur auf Theta schaut, verwechselt eine höhere Vergütung mit einem besseren Verhältnis von Ertrag und Risiko.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?
- Long Straddle — Muss die Bewegung größer sein als die vom Markt bereits eingepreiste?
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.
Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.