Was ist der Expected Move?
Welche Bewegung preist der Markt ein?
Der Expected Move ist die Kursspanne, die der Optionsmarkt bis zu einem bestimmten Verfall für wahrscheinlich hält, abgeleitet aus der impliziten Volatilität. Er ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage, keine Prognose und keine Grenze: Der Kurs kann die Spanne verlassen, und die Annahme über die Kursverteilung bleibt eine Annahme.
Wie er überschlagen wird
Eine gängige Näherung nimmt die implizite Volatilität, multipliziert sie mit dem Kurs und skaliert auf die Restlaufzeit: Kurs mal IV mal Wurzel aus Tagen geteilt durch 365. Schneller geht es über die Optionskette selbst — der Preis des Straddles am Geld für den betreffenden Verfall liegt nahe am erwarteten Betrag. Beide Wege liefern eine Größenordnung, keine exakte Zahl.
Beide Näherungen gelten für genau einen Verfall. Ein anderer Termin braucht eine eigene Rechnung, weil sich die implizite Volatilität über die Term Structure unterscheidet — der Expected Move einer Woche lässt sich nicht einfach auf einen Monat hochskalieren.
Was die Spanne aussagt
Der Expected Move entspricht ungefähr einer Standardabweichung. Unter der Modellannahme bleibt der Kurs in rund zwei von drei Fällen innerhalb der Spanne — und verlässt sie in rund einem von drei. Für Prämienverkäufer ist das ein Bezugspunkt für die Strike-Wahl; für Käufer die Frage, ob die erwartete Bewegung die bezahlte Prämie überhaupt rechtfertigt.
Praktisch heißt das: Etwa jede dritte Beobachtung liegt außerhalb der Spanne, und niemand weiß vorher, welche. Wer Strikes am Rand des Expected Move wählt, wählt damit eine Trefferquote — keine Sicherheit und kein Verhältnis von Ertrag zu Risiko.
Der häufigste Denkfehler
Die Spanne ist weder Grenze noch Prognose. Sie beruht auf einer Verteilungsannahme, die reale Kurssprünge unterschätzt, und sie sagt nichts über die Richtung. Nach dem Ereignis, das sie so breit gemacht hat, fällt die implizite Volatilität meist zurück — der Expected Move für den nächsten Verfall sieht dann sofort ganz anders aus.
Strategien, in denen der Begriff zählt
- Long Straddle — Muss die Bewegung größer sein als die vom Markt bereits eingepreiste?
- Short Strangle — Warum verzichtest du auf die Schutzflügel eines Iron Condors?
- Short Iron Condor — Ist die erwartete Range wirklich enger als die vom Markt eingepreiste Bewegung?
Verwandte Begriffe
Alle Begriffe im Überblick findest du im Options-Glossar.
Diese Inhalte sind allgemeine Information zu Optionsstrategien und richten sich an einen unbestimmten Personenkreis. Sie sind keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Finanzanalyse. Optionsgeschäfte können zum Totalverlust und bei ungedeckten Positionen zu Verlusten über den Einsatz hinaus führen. Angaben zu steuerlichen Themen sind allgemeiner Natur und ersetzen keine Steuerberatung. Stand: 2026-08-06.