# Call, Put, Long und Short: die vier Grundpositionen

Call oder Put beschreibt das Recht im Vertrag. Long oder Short beschreibt, auf welcher Seite du stehst. Erst beide Angaben zusammen machen aus einer Option eine eindeutige Position.

## Was bedeuten Call, Put, Long und Short?

Call und Put bezeichnen das Recht im Optionsvertrag: kaufen oder verkaufen. Long und Short zeigen, ob du dieses Recht kaufst oder die zugehörige Pflicht verkaufst. Daraus entstehen vier Grundpositionen mit unterschiedlichen Marktmeinungen, Zahlungsströmen und Risiken: Long Call, Short Call, Long Put und Short Put.

## Kernpunkte


- Long bedeutet bei Optionen: Du kaufst den Vertrag und zahlst eine Prämie.
- Short bedeutet: Du verkaufst den Vertrag, erhältst eine Prämie und übernimmst eine Pflicht.
- Ein Call reagiert grundsätzlich positiv auf steigende Kurse, ein Put grundsätzlich positiv auf fallende Kurse – jeweils aus Sicht des Käufers.
- Das maximale Risiko einer Long-Option ist die gezahlte Prämie; Short-Optionen können deutlich größere Verpflichtungen erzeugen.
- Gedeckt, cash-secured oder durch ein weiteres Leg begrenzt beschreibt die Risikokonstruktion zusätzlich zur Grundposition.



## Das einfache Modell: zwei Fragen statt vier Begriffe

Call, Put, Long und Short wirken wie vier getrennte Fachbegriffe. Tatsächlich beantworten sie nur zwei Fragen:

- **Call oder Put:** Geht es um das Recht zu kaufen oder zu verkaufen?
- **Long oder Short:** Hast du dieses Recht gekauft oder verkauft?

Stell dir den Optionsvertrag wie einen Zettel mit einem Recht vor. Auf dem Call-Zettel steht „kaufen“. Auf dem Put-Zettel steht „verkaufen“. Long hält diesen Zettel und darf entscheiden. Short hat ihn ausgegeben und muss die Gegenseite übernehmen, wenn das Recht genutzt wird.

Dieses Bild erklärt die Vertragsseite. Es sagt noch nichts über Positionsgröße, Deckung, Margin oder die Kombination mit weiteren Legs. Diese Punkte bestimmen, wie das Risiko im Depot tatsächlich aussieht.

## Zwei Fragen reichen für die erste Einordnung

Wenn du eine Optionsposition liest, beantworte zuerst zwei Fragen:

1. **Call oder Put?** Welches Recht steckt im Vertrag?
2. **Long oder Short?** Kaufst du dieses Recht oder verkaufst du die zugehörige Pflicht?

„Long“ sagt hier nicht, wie lange du die Position hältst. „Short“ bedeutet nicht automatisch, dass du eine Aktie leerverkaufst. Beide Wörter beschreiben deine Seite im Optionsvertrag.

## Die vier Grundpositionen im Vergleich

| Position | Vertragsseite | Grundsätzliche Marktmeinung | Eröffnung | Zentrale Verpflichtung |
| --- | --- | --- | --- | --- |
| Long Call | Kaufrecht gekauft | steigende Kurse | Prämie zahlen | keine Ausübungspflicht |
| Short Call | Kaufrecht verkauft | nicht stark steigende Kurse | Prämie erhalten | bei Zuteilung zum Strike verkaufen oder liefern |
| Long Put | Verkaufsrecht gekauft | fallende Kurse oder Absicherung | Prämie zahlen | keine Ausübungspflicht |
| Short Put | Verkaufsrecht verkauft | nicht stark fallende Kurse | Prämie erhalten | bei Zuteilung zum Strike kaufen |

Die Tabelle ist eine erste Orientierung. Das tatsächliche Risiko hängt zusätzlich davon ab, ob eine Short-Position gedeckt ist, wie groß sie ist und ob ein weiteres Options-Leg den Verlust begrenzt.

## Long Call: ein Kaufrecht

Mit einem [Long Call](https://www.mindtrajour.com/de/academy/strategien/long-call) kaufst du das Recht, den Basiswert zum Strike zu kaufen. Du zahlst die Prämie im Voraus. Fällt der Kurs oder steigt er nicht schnell genug, kann die Option ihre gesamte Prämie verlieren.

Am Verfall liegt der Break-even eines einfachen Long Calls bei:

```text
Strike + gezahlte Prämie
```

Ein Call mit Strike 50 und einer Prämie von 2 braucht am Verfall einen Kurs über 52, bevor Gebühren und Steuern berücksichtigt werden. Ein Kurs von 51 liegt zwar über dem Strike, deckt aber die Prämie noch nicht vollständig.

## Short Call: dieselbe Option, die andere Seite

Beim [Short Call](https://www.mindtrajour.com/de/academy/strategien/short-call-naked) verkaufst du das Kaufrecht. Du erhältst die Prämie. Wird die Option zugeteilt, musst du den Basiswert zum Strike liefern beziehungsweise die vertragliche Abrechnung erfüllen.

Ein ungedeckter Short Call trägt ein nach oben offenes Verlustrisiko, weil der Basiswert theoretisch unbegrenzt steigen kann. Ein [Covered Call](https://www.mindtrajour.com/de/academy/strategien/covered-call) verändert die Deckung: Die benötigten Aktien liegen bereits im Depot. Das beseitigt nicht jeden wirtschaftlichen Nachteil, verhindert aber, dass die Lieferung ohne Aktienbestand dasteht.

> „Gedeckt“ beschreibt die vorhandene Aktienposition. Es macht aus dem Short Call keinen risikofreien Trade: Die Aktie kann fallen, und oberhalb des Strikes ist ihr weiterer Kursgewinn abgegeben.

## Long Put: ein Verkaufsrecht

Mit einem [Long Put](https://www.mindtrajour.com/de/academy/strategien/long-put) kaufst du das Recht, den Basiswert zum Strike zu verkaufen. Der Put kann als eigenständige Position auf fallende Kurse oder als Absicherung einer vorhandenen Aktienposition eingesetzt werden.

Am Verfall liegt der Break-even eines einfachen Long Puts bei:

```text
Strike − gezahlte Prämie
```

Ein Put mit Strike 50 und einer Prämie von 2 braucht am Verfall einen Kurs unter 48, um vor Gebühren und Steuern positiv zu sein. Der Gewinn eines Long Puts ist nicht unbegrenzt: Ein Basiswert kann grundsätzlich nicht unter null fallen.

## Short Put: die Pflicht zu kaufen

Beim [Short Put](https://www.mindtrajour.com/de/academy/strategien/short-put-naked) verkaufst du das Verkaufsrecht. Du erhältst die Prämie und kannst bei Zuteilung verpflichtet werden, den Basiswert zum Strike zu kaufen – auch wenn sein Marktpreis inzwischen deutlich niedriger liegt.

Ein [Cash-Secured Put](https://www.mindtrajour.com/de/academy/strategien/cash-secured-put) hält das nötige Geld für diesen möglichen Kauf bereit. Das verändert die Finanzierung und Tragbarkeit, nicht die Preislogik des verkauften Puts. Ein [Bull Put Spread](https://www.mindtrajour.com/de/academy/strategien/bull-put-spread) kauft dagegen einen tieferen Put dazu und begrenzt damit das maximale Verlustrisiko der Optionskonstruktion.

## Ein Vertrag, zwei Seiten

Nehmen wir einen Call mit Strike 100 und einer Prämie von 3:

- Der **Long Call** zahlt 300 bei einem Multiplikator von 100.
- Der **Short Call** erhält brutto 300.
- Verfällt der Call ohne inneren Wert, verliert die Long-Seite ihre Prämie und die Short-Seite behält sie vor Kosten.
- Steht der Basiswert am Verfall bei 110, besitzt der Call 1.000 inneren Wert. Nach der Prämie liegt die Long-Seite bei 700 und die Short-Seite bei minus 700, jeweils vor Gebühren und Steuern.

Die Positionen spiegeln sich im einfachen Verfallsbeispiel. In einem Depot können Deckung, Margin, frühzeitige Zuteilung und ein Schließen vor dem Verfall den praktischen Ablauf verändern.

## Drei häufige Verwechslungen

### Long ist nicht automatisch sicher

Der Verlust ist auf die gezahlte Prämie begrenzt. Trotzdem kann diese Prämie vollständig verloren gehen. „Begrenzt“ sagt etwas über die Obergrenze aus, nicht über die Wahrscheinlichkeit.

### Short ist nicht automatisch ungedeckt

Ein Short Call kann durch Aktien gedeckt sein. Ein Short Put kann cash-secured sein. In einem Spread kann ein gekauftes Leg das Risiko begrenzen. Die genaue Konstruktion gehört immer zur Bezeichnung.

### Eine hohe Prämie ist kein Geschenk

Mehr Prämie geht meist mit einer größeren eingepreisten Unsicherheit oder einer stärkeren Verpflichtung einher. Der Credit allein sagt nicht, ob das Verhältnis aus möglichem Gewinn, Verlust und Wahrscheinlichkeit sinnvoll ist.

## Feynman-Check: Vervollständige vier einfache Sätze

Lege die Tabelle kurz beiseite und ergänze diese Sätze aus dem Kopf:

1. Long Call: Ich **kaufe** das Recht zu **kaufen**.
2. Short Call: Ich **verkaufe** das Recht zu **kaufen** und übernehme die Liefer- oder Abrechnungspflicht.
3. Long Put: Ich **kaufe** das Recht zu **verkaufen**.
4. Short Put: Ich **verkaufe** das Recht zu **verkaufen** und übernehme die Kauf- oder Abrechnungspflicht.

Erkläre danach für jede Position, ob zuerst Geld gezahlt oder eingenommen wird. Wenn du dafür nur „bullish“ oder „bearish“ sagen kannst, fehlt noch die Vertragslogik. Geh dann einen Schritt zurück: Welches Recht wechselt die Seite, und wer trägt danach die Pflicht?

## So liest du ab jetzt jede Strategie

1. Zerlege die Strategie in Calls und Puts.
2. Markiere jedes Leg als Long oder Short.
3. Notiere Strike und Verfall pro Leg.
4. Prüfe, welches Leg Rechte schafft und welches Pflichten erzeugt.
5. Ermittle erst danach Payoff, Break-even, Margin und Zuteilungsrisiko.

Diese Zerlegung funktioniert auch bei einem Iron Condor oder Butterfly. Bevor du einen Preis für die Legs beurteilst, hilft der nächste Grundlagenartikel zu [Bid, Ask, Spread und Liquidität](https://www.mindtrajour.com/de/academy/grundlagen/bid-ask-spread-liquiditaet).

## Quellen

- [Characteristics and Risks of Standardized Options](https://www.theocc.com/company-information/documents-and-archives/options-disclosure-document) — OCC
- [Long Call](https://www.optionseducation.org/strategies/all-strategies/long-call) — OIC
- [Naked Call / Short Call](https://www.optionseducation.org/strategies/all-strategies/naked-call-uncovered-call-short-call) — OIC
- [Long Put](https://www.optionseducation.org/strategies/all-strategies/long-put) — OIC
- [Naked Put / Short Put](https://www.optionseducation.org/strategies/all-strategies/naked-put-uncovered-put-short-put) — OIC
- [Options Basics](https://www.optionseducation.org/optionsoverview/options-basics) — Options Industry Council

[Artikel im Web lesen](https://www.mindtrajour.com/de/academy/grundlagen/call-put-long-short)